FAQ

Was ist die White Ribbon Kampagne?

White Ribbon ist die weltweit größte Initiative von Männern gegen Männergewalt an Frauen.Sie agiert durch ehrenamtliche Mitarbeit und finanzielle Beiträge von Personen, Organisationen, Institutionen und Privatfirmen.

 

Wie lange gibt es diese Kampagne bereits?

1991 beschloss eine Handvoll Männer in Kanada, ihre Verantwortung für die Bekämpfung von Männergewalt an Frauen öffentlich zu zeigen. Sie beschlossen, eine weiße Schleife als Symbol ihrer Ablehnung dieser Gewalt zu tragen. Anlassfall war der Jahrestag eines Massakers, das ein Student an mehreren Frauen an einer Universität in Toronto angerichtet hatte. Nach nur sechs Wochen Vorbereitungszeit trugen damals hunderttausend Männer in Kanada die weiße Schleife. Viele andere wurden angesprochen und in den Diskussionsprozess über das Thema Männergewalt einbezogen. In Österreich existiert White Ribbon seit November 2000. Das Kernteam formierte sich um die Wiener Männerberatung.

 

Ziele und Aktivitäten von White Ribbon : Was bedeutet es, eine weiße Schleife zu tragen?

Eine weiße Schleife zu tragen bedeutet, niemals Gewalt an Frauen anzuwenden, zu dulden oder stillschweigend zur Kenntnis zu nehmen. In Kanada entstand die Idee, Männer und Burschen aufzufordern – speziell rund um den “Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen” am 25.November – für ein bis zwei Wochen die weiße Schleife zu tragen. Meist bis zum 6. Dezember, dem Kanadischen Erinnerungstag an das Massaker von Toronto.

 

Wie können diese Ziele noch erreicht werden?

Generell geht es darum, den Diskussions- und Reflexionsprozess unter Männern über das Thema Gewalt in Gang zu bringen, um die persönliche Verantwortung deutlich zu machen und weiteres Engagement zu bewirken:

Männer werden darüberhinaus angehalten

  • pädagogische Arbeit zu diesem Thema in Schulen, Betrieben oder Gemeinden zu leisten;
  • lokale Frauengruppen zu unterstützen;
  • finanzielle Mittel für die österreichischen und internationalen White Ribbon Aktivitäten zu aquirieren.

Es existiert bereits ein Buben-Arbeitsbroschüre für Schulen, „Stark, aber wie?“, das auf der White Ribbon Website heruntergeladen werden kann. White Ribbon versucht, das Gewaltthema immer wieder in die öffentliche Diskussion einzubringen: durch Informations- und Diskussionsveranstaltungen, Infotische, Plakatkampagnen und Medienarbeit.

 

 

Zieht White Ribbon nicht Aufmerksamkeiten auf sich, die für Frauenschutzprojekte (z.B. Frauenhäuser) wichtig wären?

Da das Ziel von White Ribbon – die Eindämmung von Gewalt gegen Frauen – dasselbe wie das der Frauenschutzprojekte ist, handelt es sich nicht um eine Konkurrenzsituation.Wir motivieren Journalistinnen und Journalisten, auch über Frauenprojekte zu berichten. In unserer pädagogischen Arbeit betonen wir die wichtigen Aufgaben und bisherigen Leistungen der Frauenschutzprojekte. In Österreich hatte White Ribbon bisher noch nicht so viel Medienecho, wie wir es uns wünschen. Wenn Männer erreicht werden sollen, geschieht das am besten über die Medien.

 

Geht es nur um Gewalt an Frauen?

Nein – es geht um die Vermeidung aller Formen von Gewalt.

Unser zentraler Fokus ist jedoch die Männergewalt an Frauen. Kriminalstatistiken zeigen, dass Männergewalt fünfmal mehr als Frauengewalt zu Verletzungen führt, die medizinische Versorgung notwendig machen. Frauen fürchten in familiären Gewaltsituationen viermal häufiger um ihr Leben.

Wir nehmen Gewalt die von Männern als auch von Frauen an Kindern verübt wird, sehr ernst. (Und das obwohl Männer die meisten Sexualdelikte an Kindern begehen.)

Wir nehmen ebenso die vielen Formen männlicher Gewalt an anderen Männern ernst. Ob sie nun in Lokalen, auf Sportplätzen oder in kriegerischen Auseinandersetzungen stattfinden; ob aufgrund unterschiedlicher Hautfarbe, sexueller Orientierung, Kultur, Nation oder einfach weil der andere Mann seinem Gegenüber gerade nicht zu Gesicht steht. Und wir nehmen Frauengewalt an Männern ernst, obwohl diese vergleichsweise selten vorkommt.

 

Heißt das, dass White Ribbon Männer für schlecht hält?

Wir glauben nicht, dass Männer von Natur aus gewalttätig sind und wir glauben auch nicht, dass Männer schlecht sind. Der Großteil der Männer ist nicht gewalttätig. Nicht zuletzt sind wir selbst Männer, arbeiten mit Männern, für deren Leben wir uns interessieren.

Gleichzeitig zeigt jedoch die Erfahrung, dass viele Männer gelernt haben, Ärger oder Unsicherheit nur mittels Gewalt auszudrücken. Viele Männer glauben, dass Akte der Gewalt gegen eine Frau, ein Kind oder einen anderen Mann ein akzeptabler Weg sind, eine andere Person zu kontrollieren.

Dieses Problem beschränkt sich nicht nur auf physische Gewalt sondern auch auf Formen emotionaler Gewalt wie sexistische Witze, sexuelle Belästigungen und ähnliche aggressive Verhaltensweisen. Indem wir diese Dinge stillschweigend dulden, erlauben wir anderen Männern, unsere Arbeits- und Lebenswelt zu vergiften.

Erfreulicherweise verändern sich immer mehr Männer diesbezüglich. Reife und verantwortungsvolle Männer haben den Sexismus, der die Frauen in ihrem Umfeld verletzt, zunehmend satt.

 

Wer kann bei White Ribbon mitmachen?

Die Teilnahme an der White Ribbon Kampagne steht jedem Mann offen, der Gewalt an Frauen ablehnt, die Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern unterstützt und der bereit ist Gewaltaspekte in seinem eigenen Leben und Lebensumfeld kritisch zu überprüfen.

White Ribbon ist darüber hinaus überparteilich, überkonfessionell und offen für Männer ungeachtet des Alters, der sexuellen Orientierung, ethnischen Herkunft oder körperlichen Verfassung.

 

Können Männer mitmachen, die früher selbst gewalttätig waren?

Wir sind überzeugt, dass gewalttätige Männer sich verändern können (andernfalls müssten wir diese Kampagne sofort wieder abbrechen !)

Wenn ein ehemals gewalttätiger Mann Verantwortung für seine Taten übernommen hat, seine Schuld gemäß der Gesetzeslage getilgt und sich gebessert hat, Beratung oder Therapieangebote in Anspruch genommen hat und seine Vergangenheit nicht verschweigt, wird er in dieser Kampagne meist seinen Platz finden können.

Andererseits muss die Kampagne vermeiden, ein Alibiversteck für jeden gewalttätigen Mann, der seine Unschuld beteuert, zu werden.

 

Können Frauen an der Kampagne teilnehmen oder in der Kampagne mithelfen?

Whiteribbon ist eine Kampagne von Männern für Männer. Eine weiße Schleife zu tragen ist ein Zeichen männlicher Ablehnung von Gewalt an Frauen. Wenn Frauen die weiße Schleife tragen, könnte diese Definition und Botschaft verwischt werden – aber natürlich ist es prinzipiell möglich.

Die Erfahrungen in den internationalen WR-Kampagnen haben gezeigt, dass Frauen immer wieder die erste Initiative ergriffen haben, um die Kampagne in ihrem Wohn- und Arbeitsumfeld bekannt zu machen, bevor ein Mann diese kannte – was natürlich begrüßenswert war und ist.

Auch finanzielle Unterstützung durch Frauen kam und kommt vor, weil Frauen daran glauben, dass White Ribbon das Gewaltproblem, das sie selbst betrifft, an der Wurzel anpackt.

Whiteribbon ist diesen Frauen zu größtem Dank für diese Unterstützung verpflichtet, entlässt damit jedoch nicht die Männer in den jeweiligen Wohn- und Arbeitsumfeldern aus ihrer Verantwortung, die Kampagne selbst in die Hand zu nehmen, finanziell zu unterstützen und weiterzutragen.

 

Gibt es Kontakte zu Frauenprojekten?

Die Initiatoren der Österreichischen White Ribbon Kampagne lernten sich über die Aktionsplattform Österreichischer Frauenhäuser kennen. Seit damals gibt es einen guten Kontakt zu Frauenschutzeinrichtungen.

White Ribbon ist sich der wertvollen Arbeit bewusst, die Frauen in der Erforschung und Bekämfpung der Gewaltproblematik geleistet haben und leisten und weist innerhalb der Kampagne immer wieder darauf hin.

Whiteribbon versucht lokale WR-Initiativen mit lokalen Frauenschutzprojekten zu vernetzen und trachtet danach, durch WR-Veranstaltungen immer wieder auch finanzielle Mittel für Frauenschutzprojekte zu aquirieren.

 

Welche Organisationsform hat White Ribbon Österreich?

Rein rechtlich ist White Ribbon Österreich ein gemeinnütziger Verein. Aber vielleicht ist es eine Organisation wie keine andere : Nicht nur vereint White Ribbon Männer unterschiedlicher sozialer und politischer Herkunft, sondern vermeidet auch zunehmende Hierarchien oder Bürokratie. Es gibt keine “Leiter” obwohl es Männer gibt, die derzeit mehr über die Thematik wissen als andere und mehr Zeit in die Kampagne investieren. Wir wollen den lokalen Gedanken in Gemeinden, Betrieben oder Schulen betonen, der die Basis dieser Kampagne bildet.

Das Kernteam von White Ribbon Österreich ist der Vereinsvorstand, der jährlich neu von den Vereinsmitgliedern gewählt wird. Er besteht aus Obmann, Kassier, Schriftführer und je einem Stellvertreter

Nach Beschlüssen dieses Vorstandes und natürlich aufgrund der Vereinsstatuten führt derzeit ein regulär angestellter Koordinator die anfallenden Büroarbeiten durch. Dafür steht ihm die Logistik der Wiener Männerberatungsstelle zur Verfügung.

Die Kampagne kann jedoch nur dann ein Erfolg sein wenn Männer in ganz Österreich – also auch Sie bzw. Du – ehrenamtlich mitarbeiten oder zumindest die weiße Schleife tragen, die gegen eine Spende über diese Homepage bestellt (oder mit einem weißen Band und einer Anstecknadel selbst hergestellt) werden kann.

Die Zukunft von dieser Kampagne hängt von Männern wie Ihnen bzw. Dir ab !

Weltweit sind in über 5o Ländern White Ribbon Kampagnen aktiv.

 

Wie werden finanzielle Mittel beschafft?

White Ribbon Österreich wird von der Gemeinde Wien subventioniert. Plakatkampagnen, Broschüren und Veranstaltungen wurden vom Bundesministerium für Inneres, dem Sozialministerium, dem Bildungsministerium  und dem “Verein Wider die Gewalt” gefördert.

So wie die Kanadische White Ribbon Kampagne, die einige Großfirmen als Sponsoren finden konnte, wendet sich White Ribbon Österreich auch an private Sponsoren und Spender.  Der Spendenerlös durch Ribbons deckt nur einen kleinen Teil der Aufwendungen der Kampagne ab.

 

Welche Unterstützung kann eine Einzelperson vom White Ribbon Büro bekommen?

Das White Ribbon Büro verschickt Informationsfolder (kostenlos), Plakate und natürlich Ribbons (als Anstecknadeln) – beides gegen Spenden.

  • Ausserdem existiert ein kostenloser Email-Verteiler mit dem regelmäßig über den aktuellen Stand der Aktivitäten berichtet wird.
  • Über das White Ribbon Büro können geeignete Referenten für Veranstaltungen und Workshops erfragt werden.